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Stärkung der Versorgungssicherheit im Gasmarkt zentrale Aufgabe  der Branche

„Im Zusammenhang mit der Russland-/Ukraine-Krise rückt die Versorgungssicherheit mit Gas immer stärker ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Dies gilt in gleichem Maße für die energiepolitische Bedeutung einer verlässlichen und leistungsfähigen Gasinfrastruktur. Denn durch die Entflechtung von Handel, Transport, Verteilung und Speicherung im Rahmen des Unbundling ist die integrierte Verantwortung für die Versorgungssicherheit aufgebrochen. Der Gesetzgeber und die Branche haben deshalb in den letzten Jahren eine Vielzahl formaler Sicherungsmechanismen entwickelt, die ein Zusammenwirken der einzelnen Akteure selbst in Extremsituationen ermöglichen sollen. Auch der DVGW und seine Mitgliedsunternehmen sind hier aktiv geworden.“

Dies erklärte DVGW-Vizepräsident Michael Riechel am 30. September 2014 im Rahmen des Pressegesprächs zur Eröffnung der 53. Gasfachlichen Aussprachetagung (gat 2014) in Karlsruhe. So habe eine 2013 abgeschlossene DVGW-Studie zur Versorgungssicherheit im Gasmarkt Warn- und Knappheitssignale identifiziert, die eine Verschärfung der Versorgungssituation frühzeitig erkennbar machen. Diese Signale reichen von Wetterprognosen im Tages- bis Wochenbereich über Gaspreisentwicklungen bis zu Speicherfüllständen. Kernergebnis ist, dass die Entflechtungsrichtlinien zwar die Zuordnung einzelner Verantwortungsbereiche sowie die Kommunikation der Marktpartner untereinander erschweren, andererseits durch die Flexibilität der Einspeisung keine Notwendigkeit der netzdienlichen Einspeisung zur Behebung von lokalen Gasmangellagen besteht.

In einem wissenschaftlichen Folgeprojekt werde nun untersucht, inwieweit einzelne Warn- und Knappheitssignale eine Prognose der kurzfristigen Versorgungssituation zulassen. „Ziel ist eine Darstellung etwa in Form von Netzampeln je Regelenergiezone, das heißt einer Farbskala zur Anzeige der Kritikalität. Dieses Modell bildet die Grundlage, um eine drohende Gasmangellage frühzeitig zu erkennen, mit dem Ziel, Marktpartner auf sich verändernde Versorgungssituationen aufmerksam zu machen“, so der DVGW-Vizepräsident. Für den kommenden Winter sei eine Testphase mit Echtzeitdaten vereinbart worden, um die Prognosegüte zu validieren und über das weitere Vorgehen zur Entwicklung von Netzampeln zu entscheiden.

Ein weiteres Thema, das die Branche derzeit intensiv beschäftigt, ist die L-H-Gas-Marktraumumstellung. Nach dem Entwurf des Netzentwicklungsplans Gas 2014 sollen die Versorgungsnetze ab 2015/2016 schrittweise auf hochkaloriges Erdgas H umgestellt werden. Aufgrund des höheren Energiegehalts von Erdgas H müssen fünf bis sechs Millionen häusliche, gewerbliche und industrielle L-Gas-Verbrauchsgeräte zur Vermeidung einer Überlastung bzw. zur Messwertaufnahme angepasst werden. Im DVGW werden die technischen Erfordernisse einer Marktraumumstellung unter Einbeziehung der Netzbetreiber, Gerätehersteller und Anpassungsunternehmen sowie von Verbänden, Behörden und Ministerien bearbeitet. „Der DVGW möchte den Anpassungsprozess optimieren und seine Mitgliedsunternehmen hierbei unterstützen. Dazu plant die DVGW-Tochter 'Service & Consult' derzeit die Entwicklung eines IT-basierten Gasgeräteinformationssystems nach DVGW-Arbeitsblatt G 680“, bekräftigte Riechel.

Hierbei soll eine mobile Datenerfassungseinheit die bisherige manuelle Datenerfassung ersetzen. Dieser Prozess reduziere den Arbeitsaufwand erheblich und ist damit kostengünstiger als die bisher überwiegend praktizierte „Zettelwirtschaft“. Damit würden fehleranfällige Arbeitsprozesse umgangen und Zeit sowie Personal in der Verwaltung eingespart, machte der DVGW-Vizepräsident deutlich.